Smarte Assistenten: Zeitsparer oder verkannte Zeitfresser?

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von Rainer

Ein persönlicher Essay über Automatisierung, Erschöpfung und die Frage, was uns eigentlich glücklich macht.


Es war ein Samstagmorgen wie viele andere. Der Rasenmähroboter von eufy war seit 40 Minuten draußen, und ich saß mit meinem Kaffee auf der Terrasse – theoretisch entspannt, praktisch mit dem Handy in der Hand und drei offenen Browser-Tabs. Dann das vertraute Geräusch: das leise, hilflose Surren eines festgefahrenen Roboters in der Ecke neben dem Komposthaufen. Wieder.

Ich stand auf, befreite ihn, schickte ihn mit der neuen eufy App zurück auf seine Route – und fragte mich zum ersten Mal ernsthaft: War das früher wirklich schlechter?


Die Rechnung, die nicht aufgeht

Die Versprechen smarter Technologie sind verführerisch einfach: Du automatisierst Aufgabe A, gewinnst Zeit B, lebst besser. Rasenmähroboter, smarte Türklingel, KI-Assistenten, Staubsaugerroboter, automatische Bestellsysteme – sie alle versprechen dasselbe: Freiheit durch Delegation.

Aber was passiert mit der gewonnenen Zeit tatsächlich?

In den allermeisten Fällen füllt sie sich nicht mit Muße. Sie füllt sich mit mehr. Mehr Aufgaben, mehr Projekte, mehr Optimierungen. Denn wir sind konditioniert darauf, Produktivität als Tugend zu betrachten. Eine freie Stunde ist keine Einladung zur Stille – sie ist ein Slot, der befüllt werden will. Der Mähroboter macht den Rasen, also kann ich endlich das neue Wordpress Plugin für den Anker.blog einrichten, das ich schon seit Wochen testen wollte. Das spart ja dann noch mehr Zeit. Irgendwann.

Es ist eine Spirale, die sich als Fortschritt verkleidet.


Was beim Rasenmähen wirklich passiert ist

Ich erinnere mich noch gut daran, wie Rasenmähen früher war. Nicht als Trauma, sondern als Ritual. Der Geruch von frisch gemähtem Gras. Das gleichmäßige Hin und Her der Bahnen. Der Körper beschäftigt, der Kopf frei.

Sportwissenschaftler und Psychologen nennen das den Zustand der „glücklichen Erschöpfung“ – jenes befriedigende Gefühl nach körperlicher Anstrengung, das nichts mit Achievement oder Output zu tun hat, sondern schlicht mit dem Erleben des eigenen Körpers. Man hat etwas getan. Man hat es gespürt. Man ist fertig.

Dieser Zustand ist schwer zu simulieren. Kein Dashboard, das mir meldet „Rasen gemäht: 87 % Abdeckung“ gibt mir dieses Gefühl zurück.


Die versteckten Kosten der Automatisierung

Smarte Systeme sind nicht wartungsfrei. Sie sind wartungsintensiv auf eine andere, nervenaufreibendere Art.

Der Mähroboter braucht eine App, ein WLAN-Passwort, gelegentliche Firmware-Updates und eine Mähkarte, die alle paar Monate neu kalibriert werden will. Er hängt sich fest, übersieht Ecken, mäht manchmal gar nicht – und jedes dieser kleinen Versagen erzeugt etwas, das physisches Rasenmähen nie erzeugt hat: Ärger über eine Maschine.

Das ist philosophisch interessant. Früher war der Rasen ein Gegner, den man mit Schweiß bezwungen hat. Heute ist er eine Aufgabe, die delegiert wurde und sich dann trotzdem in meinen Alltag zurückdrängelt – aber nicht mehr als befriedigende Aktivität, sondern als frustrierendes Troubleshooting.

Ich habe Zeit gewonnen und Gelassenheit verloren.


Die philosophische Frage dahinter

Aristoteles unterschied zwischen Poiesis – dem Herstellen von Dingen, dem Produzieren – und Praxis – dem Handeln um des Handelns willen. Rasenmähen war, in seiner besten Form, Praxis. Es hatte seinen Wert in sich selbst: Bewegung, Konzentration, das Erleben von Wirksamkeit im direkten Sinne.

Was smarte Assistenten tun, ist oft genau diese Praxis zu eliminieren, um mehr Raum für Poiesis zu schaffen. Mehr Output, mehr Projekte, mehr Ergebnisse. Das klingt nach Gewinn. Es fühlt sich aber zunehmend nach Verlust an.

Die Frage ist nicht, ob Technologie uns Zeit spart. Sie tut es, rein rechnerisch. Die Frage ist: Wofür nutzen wir diese Zeit – und macht uns das wirklich glücklicher?


Eine unbequeme Antwort

Ich glaube nicht, dass smarte Assistenten per se das Problem sind. Das Problem ist die Annahme, die hinter ihrem Einsatz steht: dass weniger Aufwand automatisch mehr Lebensqualität bedeutet.

Manchmal ist der Aufwand der Punkt. Manchmal ist das Tun wertvoller als das Ergebnis. Manchmal ist ein Samstagmorgen mit Rasenmäher, Schweiß und dem Gefühl danach – ich habe das gemacht – mehr wert als derselbe Morgen mit drei erledigten Emails und einem Roboter in der Hecke.


Mein Mähroboter läuft noch und natürlich bin ich froh drum. Es geht auch nicht darum, dass man die Automatisierung per se ablehnen sollte, sondern dass man erstens mit der gewonnen Zeit nicht auf den nächsten Selbstoptimierungstrip aufspringt und zweitens auch mal wieder den Kopf und die Hände benutzen sollte, bei Dingen die am Ende des Tages halt doch befriedigend sind, auch wenn sie nicht sonderlich viel Spaß erzeugen.

Und vielleicht ist das die ehrlichste Antwort auf die Frage nach der smarten Assistenz: Effizienz ist kein Lebensgefühl.

Wie schaut es da bei euch aus? Habt ihr euch darüber schonmal Gedanken gemacht?

Artikel wurde mit Hilfe von KI erstellt.
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1 Kommentar zu „Smarte Assistenten: Zeitsparer oder verkannte Zeitfresser?“

  1. Smarte Helfer KÖNNEN helfen. Aber wie Du schon sagst, für die eigene Lebensqualität ist man selber verantwortlich. Die kann einem kein Saugroboter oder Rasenmähroboter per se geben.
    Missen möchte ich diese smarten Helfer im Alltag allerdings auch nicht mehr. 😉

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