Eigener KI-Chip aus Deutschland: ANKER stellt Thus™ vor

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Mit Thus™ hat ANKER jetzt seine erste eigene KI-Chip-Plattform vorgestellt – und geht damit einen durchaus spannenden Schritt. Statt sich weiterhin auf bestehende Lösungen zu verlassen, bringt das Unternehmen erstmals eigene Hardware für lokale KI direkt in Endgeräte. Den Anfang macht der Audio-Bereich, weitere Produktkategorien sollen folgen.

Bemerkenswert: Der Chip wird im Rahmen des globalen Fertigungsnetzwerks von ANKER in Deutschland produziert. Das unterstreicht einmal mehr die Bedeutung des hiesigen Marktes für das Unternehmen.

KI direkt auf dem Gerät statt in der Cloud

Die Grundidee hinter Thus™ ist schnell erklärt: KI soll direkt auf dem Gerät laufen – ohne Umweg über die Cloud. Das bringt nicht nur Vorteile bei der Geschwindigkeit, sondern auch beim Energieverbrauch.

Laut ANKER-CEO Steven Yang liegt genau hier das Problem klassischer Chips. Bisher sind Speicher und Recheneinheit voneinander getrennt. Das bedeutet: Daten müssen ständig hin- und hergeschoben werden – und genau das kostet Energie.

Thus™ geht einen anderen Weg. Die Rechenleistung wird direkt dorthin verlagert, wo die Daten liegen. Das Modell bleibt also an Ort und Stelle, während die Berechnung dort stattfindet.

Abschied von einer 80 Jahre alten Architektur

Die meisten heutigen Chips basieren noch immer auf dem Prinzip der Von-Neumann-Architektur. Dieses Modell hat über Jahrzehnte hinweg hervorragend funktioniert, stößt aber bei modernen KI-Anwendungen zunehmend an seine Grenzen.

Gerade neuronale Netze benötigen den gleichzeitigen Zugriff auf große Datenmengen. In klassischen Architekturen führt das zu einem enormen Energiebedarf – insbesondere in kleinen Geräten wie Kopfhörern.

Compute-in-Memory: So funktioniert Thus™

ANKER setzt bei Thus™ auf einen sogenannten Compute-in-Memory-Ansatz. Klingt technisch, ist aber im Kern eine recht logische Weiterentwicklung.

Anstatt Daten zwischen Speicher und Prozessor zu bewegen, werden beide Bereiche kombiniert. Konkret integriert ANKER die Rechenleistung direkt in die Speicherzellen – genauer gesagt in NOR-Flash.

Der Vorteil: Deutlich weniger Energieverbrauch für den Datentransport und mehr Effizienz bei der eigentlichen Berechnung. Gleichzeitig benötigt dieser Ansatz weniger Platz als klassische Lösungen, was ihn besonders für kompakte Geräte interessant macht.

Premiere in Kopfhörern

Seinen ersten Einsatz feiert der Thus™ Chip ganz bewusst in einem anspruchsvollen Umfeld: Kopfhörer.

Hier sind die Anforderungen besonders hoch. Wenig Platz, kleine Akkus und gleichzeitig Features wie aktive Geräuschunterdrückung oder KI-Funktionen, die dauerhaft laufen müssen.

Bisher waren solche Geräte auf vergleichsweise kleine neuronale Netze beschränkt. Mit Thus™ soll sich das deutlich ändern. Laut ANKER sind mehrere Millionen Parameter möglich – und damit ein spürbarer Sprung bei der Rechenleistung.

„Clear Calls“: Fokus auf bessere Sprachqualität

Eine der ersten Funktionen, die auf dem neuen Chip laufen, nennt sich „Clear Calls“. Ziel ist es, die Sprachqualität bei Telefonaten deutlich zu verbessern.

Während klassische Systeme oft an ihre Grenzen stoßen – etwa in lauten Umgebungen wie Bahnhöfen oder Bars – setzt ANKER hier auf ein großes neuronales Netz, das vollständig lokal auf dem Gerät arbeitet.

Unterstützt wird das Ganze durch mehrere Mikrofone sowie zusätzliche Sensoren, die die Stimme über Vibrationen erkennen. Das Ergebnis: klarere Gespräche selbst unter schwierigen Bedingungen.

Plattform statt Einzelprodukt

Thus™ ist für ANKER kein einmaliges Projekt, sondern langfristig angelegt. Die Plattform soll nach und nach in weitere Produktbereiche gebracht werden – von Audio über mobile Zubehörprodukte bis hin zu IoT-Geräten.

Weitere Details und konkrete Produkte will ANKER im Rahmen eines Events am 21. Mai in New York vorstellen.

Fazit: Spannender Schritt in Richtung eigene KI-Hardware

Mit Thus™ macht ANKER einen großen Schritt in Richtung Eigenentwicklung und unabhängiger KI-Hardware. Der Fokus auf lokale Verarbeitung passt gut zum aktuellen Trend – gerade im Hinblick auf Effizienz und Datenschutz.

Ob sich der Ansatz im Alltag bewährt, wird sich mit den ersten Geräten zeigen. Das Potenzial ist auf jeden Fall da – und der Start im Audio-Bereich dürfte erst der Anfang sein.

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